Rede von Haus B zur Prideflaggenhissung Treptow-Köpenick

Am 26.6. sollte Haus B ein Rede, als queeres Projekt von und für queeren Menschen, zur Prideflaggenhissung vor dem Rathaus Köpenick halten. Zu der Veranstaltung wurde vom Bezirksamt Treptow-Köpenick und dem LSVD eingeladen. Durch unsere eigene Positionierungen haben wir im Voraus Videoaufnahmen abgelehnt und auf die Gefahrenlage hingewiesen. Leider, mussten wir vor Ort feststellen, dass unser Schutz nicht gewährleistet werden konnte und das Gefahrenpotenzial von anwesenden rechtsextremen und queerfeindlichen Akteur*innen nicht berücksichtigt wurde. Wir haben uns aus Selbstschutz entschieden nicht öffentlich vor Ort zu reden. Dies ist die Lebensrealität von Queers in Treptow-Köpenick und genau deswegen braucht Treptow-Köpenick ein Community Raum für Queers- diesen wollen wir mit euch schaffen, gestalten und queeres Leben in den Fokus setzen!

Unsere Worte sollen jedoch nicht ungesagt bleiben, daher auf diesem Weg die Veröffentlichung.

unsere Rede:

Von Herz zu Herz gesprochen: neben all dem Schmerz, der durch Neid und Hass geschieht durch diejenigen, die sich innere und äußere Freiheit nicht trauen. Neben allen Barrieren und Erschwernissen: Wir stellen die Behauptung auf, dass jede queere Person sie in sich hat: die Utopie eines freien, queeren Raumes, voller Farben, Schattierungen, Ideen und Lachen, Ausprobieren und Verbunden sein. Wir wissen alle, wie es sein könnte. Und das ist - neben vielem- etwas, dass niemals weggenommen werden kann, denn Queerness besteht nicht erst seit 50 Jahren, sondern seit Jahrtausenden. Sie wächst mit, passt sich an,durchdringt Hindernisse und macht Träume sichtbar; in jedem Moment des Miteinanders, in jedem Moment des Innehaltens.

Das ist das, was wir aus vollem Herzen feiern.

Das WIR ist weitläufig, widerspenstig und stark. Wir werden niemals aufhören, zu existieren, weil es nie einen Raum ohne uns gab.

Wir stehen hier heute als Teil von Haus B: Haus B ist ein Raum von und für queere Menschen, um Sichtbarkeit, Vernetzung, Austausch und Gemeinschaft zu schaffen. Wir bieten systemische Beratung und Workshops/Bildungsarbeit mit intersektionaler und queerfeministischer Ausrichtung an zur Stärkung von Menschen, die queere Lebenskonzepte und Beziehungsformen leben.

Derzeit werden Räume und Finanzierungsmöglichkeiten gesucht und daher die Angebote von Beratung und Workshops dezentral umgesetzt. Wir stehen kurz vor der Vereinsgründung.

Wir haben uns die Schwerpunkte Queer und Beziehung gesetzt. In Beziehung zu sein, hat eine besondere Tragweite für queere Menschen. In den Workshops setzen wir auf Räume für queere Menschen, oft für Flinta* Personen, um einen Raum für Auseinandersetzung, Selbstschutz und Empowerment zu schaffen. In der systemischen Beratung gibt es ein weiteren Beziehungsbegriff. Beziehung im System. So können Themen sein: Beziehung zum eigenen Körper, Beziehung zur Community, Beziehung zur Gesellschaft, die durch Marginalisierung, Diskriminierung und Repressionen geprägt ist. Die Themen sind so vielfältig, wie die Menschen selbst. Für queere Menschen gibt es in so vielen Momenten im Leben nicht den Plan A. Es müssen neue Wege eröffnet  und Plan B geschmiedet werden. Wenn wir auf queere Beziehungen schauen, müssen wir mehr mitdenken: Raus aus der monogamen und heteronormen Paar und/oder Familienbeziehung. Beziehungen wie beispielsweise Freund*innenschaften, Community und Wahlfamilie haben eine existentielle Bedeutung und diese wollen wir Würdigen, in Fokus nehmen und Mitgestalten.

Und unser Projekt steht nicht im luftleeren Raum, schauen wir auf die Ergebnisse der Camino Studie zu „Gewalt in queeren Beziehungen“ (Camino Werkstatt gGmbH)

Es braucht mehr Präventionsprojekte in Berlin. Diese müssen explizite queere Angebote und Einrichtungen sein, die Flinta*, Tin* und die intersektionale Verschränkungen mit Rassismus, Ableismus und Klassismus in den Fokus stellen, um nur einige zu nennen,. Denn WIR sind KEIN Nebenthema.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Community ein wichtiger Resilienzfaktor ist. In unseren Angeboten wurde mehrfach rückmeldet, wie wichtig der gehaltene, geschützte Raum ist, um Erlebtes teilen können, sich gegenseitig zu stärken und verstanden zu werden.

Diesen Raum wollen wir als Haus B in Treptow Köpenick schaffen.

Mit dem CSD demonstrieren wir für Sichtbarkeit und unsere Kämpfe für queeres Leben. Sich zeigen und stolz sein ist die große Aufforderung für den Juni. Queer sein ist, aber nichts auf was wir stolz sind, das ist unsere Identität, Sexualität und unser Alltag. Worauf wir stolz sind Marginalisierung, Diskriminierung und Repressionen stand zu halten, die Kämpfe nach Gleichberechtigung, Für jedes Durchhalten und wieder aufstehen und das wir als Community zusammenhalten, unterstützen, Perspektiven verstehen lernen und in diesen gefährlichen Zeiten weltweit kein Schritt zurückweichen, sondern auf unsere Rechte bestehen und weiter laut und stark bleiben. Mit diesen Gedanken wollen wir heute wir die Pride Flagge in Treptow- Köpenick hissen, um ein Zeichen der Sichtbarkeit und der Stärke zu setzen und den CSD einzuläuten!

 

 

Illustration für Rede von Haus B zur Prideflaggenhissung Treptow-Köpenick